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HOLZ ALS BILDTRÄGER

Wie dem Nachbarn erklären, dass man »mehr so auf Bauhaus steht« und weniger auf »Rustikales« und das, nachdem man gerade die Scheune ausgebaut und jeden einzelnen Balken unnachgiebig mit der Drahtbürste geschrubbt und von altem Staub und Schmodder befreit hat? Dieses Missverständnis gehört aufgeräumt. Am besten mit Hilfe der Kunst und mit dem Werkstoff, der für das Rustikale schlechthin steht und im größten Wald Deutschlands dem Künstler praktisch vor die Türe gelegt ist…

Mit einem Konzept rund um das Thema Holz bewerbe ich mich 2020 erfolgreich für ein Projektstipendium der Hessischen Kulturstiftung und habe ein halbes Jahr Zeit, den Werkstoff eingehend zu untersuchen. Nach und nach gesammelte Holzstücke, ob im Wald oder auf der Straße gefunden, werden gespalten, gesägt und von ihrer ursprünglichen Funktion entbunden. Stattdessen dienen die gefundenen Flächen als Malgrund für monochrome Malerei mit dem Ergebnis, dass sich die Ölfarbe mit der Struktur des Holzes zu einer äußerst lebendigen Oberfläche verbinden. Die Idee entsteht, mit Hilfe computergesteuerter Sägen und Fräsen, moderne und innovative Bildträger im Sägewerk zu entwickeln.

Inmitten der Corona-Krise konnte das Vorhaben am Ende nicht stattfinden, aber in Vorbereitung darauf wurde das Holz mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln bearbeitet. Es wurde gesägt, gefräst, gespalten, geschnitzt und gebohrt und es sind eine Reihe von Arbeiten entstanden, die sich aus dem spielerischen Umgang ergeben und in ganz ungeplante und für mich überraschende Richtungen geführt haben.